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Die kaffeeproduzierenden Länder haben durch die Klimaveränderungen mit einer Reihe ernsthafter Probleme zu kämpfen. ESSEN&TRINKEN

Kaffee als Luxusgut?

Der Kaffeeverbrauch der Deutschen ist hoch. Im Jahr 2015 trank jeder Bundesbürger rund 162 Liter und ist damit das meist konsumierte Heißgetränk hierzulande.

Kaffee, Kaffeegenuss, Kaffeepause verbindet man mit dem Getränk, dessen Bohnen in über 50 Ländern weltweit angebaut werden. Rund acht Millionen Tonnen Kaffeebohnen werden jährlich geerntet. Doch damit könnte es in einigen Jahren vorbei sein: Aus dem Volksgetränk Kaffee könnte ein Luxusgetränk werden, denn die kaffeeproduzierenden Länder von Vietnam über Brasilien und Kolumbien, Nicaragua bis zu hin Tansania und Äthiopien haben inzwischen durch die Klimaveränderungen mit einer Reihe ernsthafter Probleme zu kämpfen.

„Kaffee und insbesondere die empfindliche Arabica-Bohne“, so Paul Oquist Kelly, der Präsidialminister Nicaraguas und oberster Klimaschützer seines Landes, jüngst auf einer Veranstaltung zum Thema Kaffee und Klimawandel in Hamburg, „gedeiht nur in bestimmten Höhen im tropischen Klima bei moderaten 18 bis 21°C.“ In seinem Land seien die zwei Grad, auf die die Pariser Klimakonferenz die Erderwärmung begrenzen wollte, längst überschritten. Da der Kaffeeanbau an bestimmte Höhenlagen gebunden ist, werden die Bedingungen für die Kaffeebauern immer schwieriger. Sie müssen auf höher gelegene Flächen ausweichen, um der Hitze entgehen zu können und nachhaltige Systeme entwickeln und die angebauten Kulturen verändern.“

„Unsere Pflanzen vertrocknen unter der zunehmenden Hitze und Dürre. Früher haben wir hier richtig guten Kaffee produziert. Das ist jetzt vorbei, und das liegt am Klimawandel“, berichtet ein Kaffeebauer. Die Einkünfte seien zu gering um zu überleben.

Insgesamt werden weltweit 30 Millionen Kaffeebauern von klimabedingten Ertragsrückgängen betroffen sein. „Da es sich aber meistens – wie in meinem Land – um Kleinbauern handelt, haben diese nicht die finanziellen Mittel um ihren Kaffeeanbau umzustellen“, ergänzt Karla Luzette Beteta Brenes, die Botschafterin Nicaraguas in Deutschland. Nun hat man in Deutschland einen ersten Runden Tisch veranstaltet, um zusammen mit den großen Kaffeeimporteuren und Röstern Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Klimaanpassungsprogramme, bei der die gesamte Wertschöpfungskette des Kaffees berücksichtigt wird, wären eine Lösungsmöglichkeit, das Thema in den Griff zu bekommen. Dazu gehören insbesondere Informations- und Förderprogramme um den nachhaltigen Anbau in Plantagen und die schonende Weiterverarbeitung der Bohnen sicher zu stellen.

Doch genauso bedarf es einer Sensibilisierung der Verbraucher.Gerade in Deutschland ist Kaffee besonders preisempfindlich. Grundsätzlich will der Durchschnittskonsument nicht mehr als fünf Euro pro 500 Gramm Packung ausgeben. So müssen auch Verbraucher ihr Verhalten umstellen. Kaffeeliebhaber sollten sich für einen emissionsfreien Anbau, einen fairen Handel und faire Bedingungen für die Bauern einsetzen — sonst wird es schon bald keinen bezahlbaren Kaffee mehr geben.

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Journalist

Frank Tetzel

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